Was 10 Millionen Wörter, ihre Stimmung und 222.586 Reaktionen aus 172 Bundestagssitzungen von Januar 2024 bis Oktober 2026 über Macht, Lasten und Reformen verraten.
Für die neue BMB-Studie haben wir die Plenarprotokolle des Deutschen Bundestags aus 172 Sitzungen ausgewertet: 16.476 Reden, jeden Beifall und jeden Zwischenruf. Sprachmodelle haben Tonlage, Themen und Lastenaussagen erfasst; jedes Messinstrument wurde vorab gegen zwei unabhängige KI-Referenzkodierer geprüft. Die Leitfrage: Reform ja – aber wer zahlt?
Zitierfähig veröffentlicht bei Zenodo: DOI 10.5281/zenodo.23949599
Bergmann, M. (2026). Zahlen sollen die anderen. BMB-Studie 2026. BMB Deutschland GmbH. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.23949599 (Lizenz CC BY 4.0)
Dort auch das Methodenpaket (Codebuch, Prompts, Validierung, Belegprüfung).
Zehn Erkenntnisse
- Geschützt wird ähnlich, gefordert verschieden. Die Fraktionen unterscheiden sich weniger darin, wen sie schützen, als darin, wem sie etwas abverlangen.
- Zahlen sollen die anderen – und jede Fraktion meint andere. Der Staat ist der gemeinsame Adressat – ein gemeinsamer Finanzierungsplan folgt daraus nicht.
- Mehr als die Hälfte kam nie an. 56 Prozent der untersuchten Entwürfe verfielen – der Ampel lief die Zeit davon.
- Mehr Reform im Wort. „Reform“ fällt fast doppelt so oft wie Anfang 2024 – und mehr Entwürfe erreichen die abschließende Beratung.
- Der Absender verrät mehr als die Atmosphäre. Ob ein Entwurf die abschließende Beratung erreicht, verrät der Absender – nicht die Stimmung in der ersten Lesung.
- Die Jungen kommen in die Pflicht. Junge Menschen werden häufiger in die Pflicht genommen als Rentner und Ältere.
- Die Jungen sind nicht stumm. Die Jungen bekommen genug Redezeit. Das Problem ist, was man von ihnen verlangt.
- Applaus bis zum Schluss. Das Ende der Ampel war im Plenum nicht zu sehen.
- Die Rolle schlägt die Person. Wer regiert, redet milder – wer in die Opposition geht, schärfer.
- Laut wird es bei Migration, nicht bei der Rente. Wo es um viel Geld geht, bleibt das Plenum ruhig.
So ist die Studie entstanden
Alle Erwartungen und Hypothesen wurden schriftlich festgelegt, bevor die Daten ausgewertet wurden. Unsicherheit weist die Studie mit 95-Prozent-Intervallen aus; als belastbar gilt ein Unterschied nur, wenn sich die Intervalle nicht überschneiden. Die Messinstrumente wurden zusätzlich an neuen, zufällig gezogenen Reden geprüft. Was die Daten nicht zeigen – etwa Ausschüsse, Bundesrat oder die Wirkung von Gesetzen –, benennt die Studie ausdrücklich.
Über den Autor
Marc Bergmann, M.A. Sozialwissenschaften, ist Geschäftsführer der BMB Deutschland GmbH und Lehrbeauftragter der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Er verbindet sozialwissenschaftliche Methoden mit Datenanalyse und geprüften KI-Verfahren.
